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Pressematerial |

Prime Cuts: Clara Luzia - 'The Long Memory'
Für meine nächste Reise ist mir nahe gelegt worden, 'Austrian music' einzupacken: Wie meinen, hab ich gefragt, in größter Angst mein fremdes Gegenüber könnte mehr über André Heller oder Kurt Ostbahn oder Georg Danzer wissen als ich - was bei meiner Austropop-Wissenslücke nicht einmal schwer ist. 'Well, whatever - just interesting music by austrian musicians!'
Dann fällt die Auswahl natürlich leichter: Zwei meiner derzeitigen Heavy Rotation-Bands haben letzte Woche das Donaufestival bespielt und der dritten Band, der dritten Künstlerin habe ich auf dem Weg von der Kremser Messehalle zur Minoritenkirche über Kopfhörer gelauscht. Wie sie mich erinnert hat: 'We held hands and cried until the morning light!“
Comfort and sorrow
Ein Jahr nach Erscheinen ihres Debüt-Albums 'Railroad Tracks' sitzt mir Clara Luzia wieder im Studio gegenüber und wir unterhalten uns über das Nachfolgewerk. Viel hat sich getan: Konzerte. Supportshows für Bands wie The Frames oder Badly Drawn Boy. Vorband für Washington im Chelsea, bevor sie ein paar Wochen drauf im B72 ihre eigene Labelparty schmeißt. Das viele Konzertspielen habe sich natürlich auf die Band ausgewirkt. Denn das was als Soloprojekt begonnen wurde, ist ausgewuchert zu einer eingespielten mehrköpfigen Bandcrew, in der jeder seine Rolle trägt.
Wenn 'Railroad Tracks' noch die leichtfüßige Raupe eines Albums war, so ist das Nachfolgewerk ein Schmetterling von Album.
Pleasure and joy
Clara Luzia freut sich im Interview, dass ihre Musik z.B. vom Falter auf den Punkt gebracht wurde: 'Musik für Menschen, die reinen Herzens aber trotzdem nicht naiv sind!' schreibt Gerhard Stöger in einer Ausgabe, in der Clara als 'Zirkusdirektorin' mit ihrer Band am Programmcover abgelichtet ist.
Und ich muss an dunkel leuchtende Militärherzen denken, die sich ob ihrer Stärke nicht mit 'The Long Memory' messen müssen, aber auf ihrer Pathos-Leiter ganz schön blass aussehen neben einem auch bodenständigen Werk, das vielleicht eine ähnliche Lebens- und Liebesnot verarbeitet, aber diese nie aufdringlich werden lässt. Distanzen können auch nahegehen und verstanden werden. Platz zum Atmen gibt es beim Hören von 'The Long Memory' zu Genüge und das mehr als die drei Sekunden Stille zwischen diesen 12 Songs.
Von 'Tidal' bis 'Glad it's over'
Songs sind für die Sängerin Clara Luzia Momentaufnahmen, akustische Spuren von (Er-)Lebensstationen. Der Eröffnungssong 'Tidal' ist die erste Station, an der das Tempo in Drama gerechnet, für das ganze Album festgelegt wird: 'Nevermind the destination. Gone is gone. No matter where!'
'I don't mind being lost, cos I'm not very hard to find!' geht es weiter im Song 'Homedrinking' und beim letzten Stück wird nochmal Traurigkeit mit Hoffnung untergraben: 'Make my heart stop, take a deep breath and start again', heißt es da mit elektrisch schleichendem Gitarrenbewusstsein.
Das mit dem Erinnern ist so eine Sache von (Mit)Teilen Können. So wie alte Fotos manchmal bewusst versteckt werden, Tagebücherseiten mit reißender Sicherheit zensuriert, E-Mails gelöscht und Gedanken verdrängt werden, sie kommen alle irgendwann hoch, da kann man gleich ein Album darüber schreiben, zu seinem Schicksal stehen und zur nächsten Station weiterziehen. Mit 'The Long Memory' ist eine Fahrscheinkontrolle ausgeschlossen. Auf weitere Freifahrten mit Clara Luzias Musik bin ich höchst gespannt. Und was die ausländischen Fremden davon halten werden, darüber dann ein anderes Mal.