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Pressematerial |

Vor knapp einem Jahr gab Clara Luzia mit ihrem Debütalbum „Railroad Tracks“ ein Versprechen ab. Es lautete: Intelligente Gefühlsmusik ist möglich. Nun löst die Wiener Songwriterin das Ehrenwort endgültig ein. Mit „The Long Memory“ gelingt ihr nicht weniger als das traurig-schönste Album dieses Frühjahrs. Sparsam instrumentiert, meist nur von (hauchzart entrückter) Stimme und (gestreichelt-gezupfter) Gitarre getragen, bestellt es das weite, nur allzu oft vernachlässigte Feld zwischen Folk und Indiepop, das etwa auch Feist zuletzt so fruchtbar beackerte. Doch während die Kanadierin sich dabei zusehends in Richtung moderner Lagerfeuermusik bewegt, entwickelt Clara Luzia einen Soundtrack für die unwirklichen Minuten zwischen Heimkommen und Sonnenaufgang – keine ganz klischeefreie Zeitzone, die hier aber ohne hohles Pathos besungen wird, selbst wenn hie und da von einsam kreisenden Möwen und akkordeonspielenden Seeleuten die Rede sein mag. Aber das sind lässliche Sünden, denn eigentlich singt Clara Luzia dabei über sich selbst, ihre Gefühle und ihren Willen, den Zauber in den Alltag hinüberzuretten – und über ihren Glauben, dass dies mit Musik gelingen kann. „The Long Memory“ macht es einem leicht, ihr darin zuzustimmen.
S. Ho.