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Pressematerial |

Während Christina Stürmer und Valerie uns als die neuen Österreicher(innen) von den Ö3-Plakaten entgegen lächeln, arbeiten im Hintergrund heimische Künstlerinnen nachhaltig an ihrer Karriere. Auch für Herbstrock, eine Band aus Wiener Neustadt rund um die Sängerin Anna Müller, galt diese Aussage. Bisher. Doch wer die Band kürzlich auf Festivals oder als Support von Petsch Moser oder Jonas Goldbaum gesehen hat, wird bemerkt haben, dass Herbstrock eine Spur eingängiger und leichter verdaulich klingen als die Hauptacts. Denn neuerdings hat Universal seine Finger im Spiel und soeben das Debütalbum „Ende:Gut“ veröffentlicht. Zusätzlich produziert ein Mobilfunkbetreiber für das eigene Mobile-TV die Daily-Comedy „Anna & Du“ mit der Band als Protagonisten.
Möglicherweise startet auch der große Hitsender dieses Landes bald den Karriereturbo – ähnlich wie bei Mondscheiner – für Herbstrock. Deren deutscher Indie-Pop ist ja durchaus mainstream-kompatibel. Was nicht heißen soll, dass Anna & Co. schlechte Musik machen. Die Songs haben durchaus augenzwinkernden Charme, aber halt keine nennenswerten Ecken und Kanten. Anna platziert ihre textlichen Fundstücke aus der Beziehungskiste ganz nah an den Befindlichkeiten der jungen Musikfans. Songs wie „Bleibst du noch“ oder „Auf Wiedersehen“ haben durchaus das Zeug zu kleinen Hits. Dennoch hinterlässt „Ende:Gut“ einen allzu netten und somit berechnenden Eindruck.
Den sucht man bei „The Long Memory“, dem zweiten Album von Clara Luzia, vergeblich. Auch optisch unterscheidet sich Clara Luzia Maria Humpel von Anna Müller. Mit ihren kurz geschnittenen Haaren und dem Nasenring würde man sie wohl gleich in die Punk-Schublade stecken, wenn ihre gefühlvollen Songs zwischen Folk und Indiepop nicht eine sanftere Sprache sprechen würden. Nach ersten Live-Erfahrungen mit 15 Jahren gründete sie mit zwanzig ihre erste Band und wurde als Clara Luzia in den letzten Jahren zum Liebkind der Wiener Singer/Songwriter-Szene.
Nach ihrem Debütalbum „Railroadtracks“ lässt die mittlerweile 28-Jährige ihre musikalische Leidenschaft nun in die Songs ihres zweiten Albums einfließen. Es beginnt mit „Tidal“, dem vielleicht besten Lied, das großartig arrangiert ist, sowie dem traumhaft schönen „Harvest Moon“. herrlich auch die Balladen „Chelsea“ und „Glad it’s over“, etwas experimenteller hingegen „Narrow Margin“ und vor allem „Gladly Away“. Und mit „Homedrinking“ erlaubt sich Clara sogar eine humorige Ode an das Bier. Pianist Alexander Nefzger hat als Arrangeur bei jedem Track ganze Arbeit geleistet, indem er Clara ein zwar gediegenes, aber äußerst abwechslungsreiches Soundkleid aus rein akustischen Instrumenten geschneidert hat. Um „The Long Memory“ wird Ö3 sicher einen großen Bogen machen – und das ist gut so.
Schonungslose Songs
Noch größer wird der Bogen rund um Mika Vember ausfallen, die bisher als Percussionistin bei Clara Luzia aufgefallen ist, nun aber ihr eigenes Solodebüt vorlegt. „Nor or Now“ ist vielleicht noch abwechslungsreicher, sicher aber unbequemer als „The Long Memory“. Weit weniger introspektiv als Clara Luzia, richtet Mika ihren Fokus mehr auf ihre und unser aller Umwelt. Schonungslos blickt sie in gesellschaftliche Abgründe und stellt etwa Stalker im schräg arrangierten „Lovers“ bloß. Ausgerüstet mit einer prägnanten, dunklen Stimme, bewegt sich Mika durch die verschiedensten Soundlandschaften, verbindet Folk ungeniert mit rumpelnden Beats, streift mit dem Akkordeon durch Tom Wait’sche Klangtiefen, ehe sie in wunderschönen Balladen wie „Sub Aqua“ oder „I Do“ wieder zur Ruhe kommt. Neben Alexander Nefzger zeichnet auch Bernhard „Börn“ Moshammer für diese vielseitige und mutige Produktion verantwortlich.
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