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Pressematerial |

Anna Ternheim. Leslie Feist. Joanna Newsom. Jenny Wilson. Keren Ann. Hello Saferide. Bat For Lashes. In den letzten Monaten wurde der Erfolg in großen Klumpen nicht (nur) nach langweiligen Jungsbands, sondern ausnahmsweise (auch) nach einer ganzen Reihe von begabten Musikerinnen geworfen. So sehr sich deren Veröffentlichungen auch unterscheiden mögen: im klaren, mit leichtem hall versetzten Gesang, der von zurückhaltenden Restinstrumenten umspielt wird, sind die Künstlerinnen einträglich aneinander gerückt.
Mit jener skalpellscharfen Stimme, ließen sich noch aus dem abgestumpftesten Subjektpanzer Regungen der Rührung, der Melancholie oder der Ausgelassenheit herauspräparieren. Jedenfalls »Separation Road« von Anna Ternheim oder Feists »Reminder« waren geeignet, neue Wunden zu reißen oder alte zu schließen. Auf dem OP-Tisch der bürgerlichen Gesellschaft haben sie das private und das gesellschaftliche Elend für zwei Albumlänge prompt wegnarkotisieren. Liebeskummer, Zukunftsängste, Pro-und-Anti-G8-Theater, Mügeln, Marco und Münte, Hausdurchsuchungen, Klimawandel und Vorratsdatenspeicherung – hau bloß ab … und nimm bei dieser Gelegenheit »The Long Memory« am Besten gleich mit.
Obwohl der Longplayer von Clara Luzia im Grunde genommen toll sein könnte, bleibt die ernüchternde Einsicht: er ist es nicht. Die Platte verfügt zwar über ein schönes Songwriting, eine breite Instrumentenpalette und erfrischende Ideen, die Clara Luzia sogar aus dem miefig, lodernden Feuer der Vorhölle Wien geholt hat. Nur bleibt das Problem, dass ihr Gesang nicht funktioniert. Er ist nicht außergewöhnlich oder zumindest ausgebildet genug, um souverän im Vordergrund zu punkten – oder um das Skalpellbild von eben noch einmal abzustauben: er ist ein wenig stumpf.
Darüber hinaus sieht das Artwork – eigentlich ungewöhnlich für Unterm Durchschnitt Veröffentlichungen – unglaublich scheiße aus. Depressive Clowns(?) am Hafen? Ernsthaft: Schiffe, Meere, Matrosen und Hamburger Ansichten in allen Ehren aber Aquarelle von bedröppelten Menschen und Schweinen im Frack fördern nicht gerade den Ruf.
Zwei große Ausnahmen gibt es auf »The Long Memory« jedoch, die für allerlei entschädigen und die man bei aller Gehässigkeit1 nicht unterschlagen darf. Zu nennen wäre »Gladly Away«, das mantrahaft seine Kreise zieht und sich 3 ¼ Minuten irrwitzig steigert, um dann mit einer dezenten E-Gitarren-Rückkopplung wieder in Stille abzuebben. Den zweiten Glanzpunkt setzt der ohne Abstriche grandiose Hit »Morning Light«, der einem nach nur wenigen Umdrehungen die Wahrheit »this is a sad, sad song« mit Handclaps, Banjo und famosen Spannungsbögen in die Hirnrinde bohrt.
Anmerkungen